Bausparvertrag-Vergleich

Wenn du zwei Bausparangebote nebeneinanderlegst, springt dir zuerst der Zins ins Auge. Genau darauf ist das Angebot gebaut. Der Zins ist aber nur einer von sechs Punkten, die darüber entscheiden, was dich der Vertrag am Ende kostet – und oft nicht einmal der wichtigste. Hier steht, worauf du wirklich schauen solltest und in welcher Reihenfolge.

Aktuell: Der BGH hat das Jahresentgelt bei Riester-Bausparverträgen gekippt (Urteil vom 28.07.2026, XI ZR 83/25). So holst du dir das Geld zurück – mit Musterbrief: zum Ratgeber

Kurz erklärt:

  • Guthabenzins und Sollzins gehören zusammen betrachtet, nie einzeln
  • Abschlussgebühr und ein mögliches Agio verändern das Bild stärker als ein Zehntelprozent Zins
  • Anbietervergleich und Tarifvergleich sind zwei verschiedene Fragen – du brauchst beide
  • Die Zuteilungsprognose ist eine Prognose, keine Zusage. Lass sie dir trotzdem in Monaten geben
  • Vergleichsportale sind ein Startpunkt, keine Entscheidungsgrundlage

Worauf kommt es beim Bausparvertrag-Vergleich an?

1. Guthabenzins und Sollzins – immer zusammen. Ein hoher Guthabenzins in der Ansparphase kostet dich meistens einen höheren Sollzins im Darlehen, und umgekehrt. Beide einzeln zu vergleichen führt regelmäßig zur falschen Entscheidung. Wie die beiden zusammenhängen, steht unter Bausparzinsen verstehen.

2. Abschlussgebühr. Je nach Bausparkasse und Tarif 1,0 bis 1,6 Prozent der Bausparsumme, fällig ganz am Anfang aus deinen ersten Sparraten. Bei 50.000 Euro sind das 500 bis 800 Euro, die sofort fehlen – und die deine Zuteilung nach hinten schieben, weil dein Guthaben langsamer wächst. Zurück bekommst du sie nie, auch wenn du das Darlehen nicht abrufst.

3. Agio. Der Posten, den fast kein Vergleichsportal abbildet. Manche Tarife schlagen 1 bis 2 Prozent auf das Darlehen auf. Du bekommst weniger, als du tilgst. Frag ausdrücklich danach – es gibt ihn nicht bei jedem Anbieter und nicht in jedem Tarif.

4. Mindestsparguthaben und Bewertungszahl. Sie bestimmen, wann du überhaupt ans Darlehen kommst. 30, 40 oder 50 Prozent der Bausparsumme machen Jahre Unterschied. Mehr dazu unter Sparphase, Zuteilung, Darlehen.

5. Flexibilität. Sonderzahlungen sind fast überall möglich. Die Rate dauerhaft senken zu dürfen oder den Vertrag ruhen zu lassen, ist es nicht. Das ist der Punkt, der dich in fünf Jahren interessiert und den heute keiner erwähnt.

6. Verwendungsmöglichkeiten. Manche Tarife sind eng auf wohnwirtschaftliche Zwecke zugeschnitten, andere lassen dir mehr Spielraum. Wenn du noch nicht weißt, wofür genau, ist das ein Kriterium.

Welche Kennzahl fasst einen Tarif zusammen?

Zwei sich überschneidende Kreise mit Gebäude- und Dokument-Symbol – Symbolbild für Anbieter- versus Tarifvergleich

Sechs Kriterien im Kopf zu jonglieren ist unmöglich. Deshalb gibt es eine Zahl, die sie zusammenführt: den Effektivzins.

Genauer gesagt zwei. Der Effektivzins nach der Preisangabenverordnung (§ 16 PAngV) beantwortet die Frage: Ich bekomme diesen Betrag ausgezahlt und zahle dafür diese Raten – welchem Zinssatz entspricht das? Ein Agio steckt darin schon drin, weshalb ein Tarif mit Agio einen spürbar höheren Effektivzins hat als sein Sollzins vermuten lässt. Diese Zahl steht in jedem Angebot und du kannst sie nachrechnen.

Zwei Posten bleiben in dieser Zahl außen vor: die Abschlussgebühr und der Bonuszins, den du verlierst, sobald du das Darlehen abrufst. Beides ist echtes Geld. Deshalb lohnt sich ein zweiter Effektivzins, der auch das einrechnet. Beide Zahlen bekommst du im Tarifvergleichsrechner, wenn du die Konditionen deiner beiden Angebote einträgst.

Was du dagegen nicht mehr vergleichen musst: Jahres- und Kontoführungsentgelte. Der Bundesgerichtshof hat sie 2017 für die Darlehensphase (XI ZR 308/15) und 2022 für die Ansparphase (XI ZR 551/21) für unwirksam erklärt. Taucht so ein Posten in einem aktuellen Angebot auf, frag nach.

Ist der Anbieter oder der Tarif wichtiger?

Das wird oft vermischt. Ein Anbietervergleich stellt Bausparkassen gegeneinander: Wüstenrot gegen Schwäbisch Hall gegen BHW gegen Debeka. Ein Tarifvergleich stellt die Varianten innerhalb eines Anbieters gegeneinander – Schnell-, Standard-, Fix-Tarif.

Die Reihenfolge, die funktioniert: erst klären, welcher Tariftyp zu deinem Zeithorizont passt, dann diesen Typ bei mehreren Anbietern einholen. Andersherum vergleichst du einen Schnelltarif des einen mit einem Langsamtarif des anderen und wunderst dich über den Unterschied. Welche Typen es gibt, steht im Beitrag Tarifvergleich.

Wie gewichtest du die Kriterien?

Eine allgemeingültige Reihenfolge gibt es nicht – sie hängt daran, was du vorhast:

  • Du willst das Darlehen sicher abrufen. Dann zählen Sollzins, Agio, Abschlussgebühr und die Zuteilungsprognose. Der Guthabenzins ist fast egal – bei 0,1 Prozent Unterschied reden wir über ein paar Euro im Jahr.
  • Du willst nur sparen und das Darlehen wahrscheinlich nicht. Dann dreht sich alles um: Guthabenzins, Bonuszins und Abschlussgebühr sind entscheidend, der Sollzins ist Beiwerk. Ehrlich gesagt ist dann aber die Frage berechtigt, ob ein Bausparvertrag überhaupt das richtige Produkt für dich ist.
  • Du weißt es noch nicht. Dann gewichte Flexibilität höher als jede Zehntelstelle beim Zins – und achte besonders auf den Bonuszins, weil er genau diesen offenen Fall abdeckt.

Welche Fehler passieren beim Vergleich immer wieder?

Nur auf den Guthabenzins schauen. Der Klassiker. Er sieht aus wie eine Rendite, ist aber die kleinste Stellschraube im ganzen Vertrag.

Die Abschlussgebühr übersehen. Sie steht im Kleingedruckten und wirkt sofort. Bei kurzer Laufzeit frisst sie die Guthabenzinsen mehrfach auf.

Die Förderung nicht einrechnen. Wohnungsbauprämie und Arbeitnehmersparzulage können den Vergleich kippen – aber nur, wenn du unter den Einkommensgrenzen liegst. Was für dich gilt, steht unter Förderung.

Die Zuteilungsprognose für eine Zusage halten. Sie ist eine Schätzung auf Basis der aktuellen Kollektivlage. Sie kann sich verschieben. Lass sie dir trotzdem in Monaten nennen – und lass dir dazusagen, worauf sie sich stützt.

Was gehört auf die Checkliste fürs Beratungsgespräch?

Balkendiagramm mit vier unterschiedlich hohen Balken auf einer Waagschale – Symbolbild für die Gewichtung von Vergleichskriterien

Nimm diese acht Fragen mit ins Beratungsgespräch. Wenn dein Gegenüber alle beantworten kann, hast du ein vergleichbares Angebot:

  • Wie hoch ist der Guthabenzins, wie hoch der Sollzins des Darlehens?
  • Wie hoch ist die Abschlussgebühr in Prozent und in Euro?
  • Gibt es ein Agio auf das Darlehen? Wenn ja, wie viel Prozent?
  • Gibt es einen Bonuszins, und unter welchen Bedingungen bekomme ich ihn?
  • Wie hoch ist das Mindestsparguthaben?
  • Wie viele Monate bis zur voraussichtlichen Zuteilung?
  • Wie hoch ist der Tilgungsbeitrag – und in welcher Einheit, Promille der Bausparsumme oder Prozent des Darlehens?
  • Kann ich die Sparrate später senken oder den Vertrag ruhen lassen?

Lass dir die Antworten schriftlich geben. Ein Angebot, das diese acht Punkte nicht enthält, ist kein Angebot, sondern ein Gesprächsergebnis.

Wann lohnt sich ein Vergleich auch später noch?

Nicht nur vor dem Abschluss. Auch dann, wenn dein bestehender Vertrag zur Zuteilung ansteht und du entscheiden musst, ob du das Darlehen nimmst. Oder wenn sich die Marktzinsen deutlich bewegt haben: Ein alter Vertrag mit 1,5 Prozent Sollzins ist in einem 4-Prozent-Umfeld Gold wert – und in einem 2-Prozent-Umfeld kaum noch etwas. Ob sich für dich etwas ändern sollte, liest du unter Wann sich ein Wechsel lohnt.

Was können Vergleichsportale und was nicht?

Als Startpunkt sind sie brauchbar: Du siehst, welche Anbieter es gibt und in welchem Bereich sich die Konditionen bewegen.

Was sie systematisch nicht abbilden: deine persönliche Förderfähigkeit, das Agio, die Kollektivlage der Bausparkasse und damit die realistische Zuteilungsprognose für deinen Vertrag. Und der Punkt, den man mitdenken sollte: Viele Portale finanzieren sich über Provisionen. Das macht sie nicht automatisch falsch, aber es erklärt, warum manche Tarife prominenter stehen als andere.

Nutz sie also für die Vorauswahl – und hol dir für die Entscheidung konkrete Angebote, die deine acht Fragen beantworten.

Ein wichtiger Kostenpunkt beim Vergleich ist die Abschlussgebühr. Was der Bundesgerichtshof dazu entschieden hat, liest du unter Abschlussgebühr beim Bausparvertrag: Was der BGH entschieden hat.

Du hast zwei oder drei Angebote und willst wissen, welches wirklich günstiger ist? Schick sie uns – ein Berater aus unserem Netzwerk rechnet sie gegen und sagt dir, was im Kleingedruckten steht.

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Passend dazu: Lohnt sich ein Bausparvertrag 2026? · Bewertungszahl und Zuteilung

Häufige Fragen

Kann ich den passenden Bausparvertrag online abschließen?

Ja, viele Verträge lassen sich digital abschließen: Antrag online ausfüllen und die Identität mit dem Personalausweis bestätigen. Wie das abläuft, liest du unter Bausparvertrag online abschließen.

Ist der Anbieter mit dem niedrigsten Zins automatisch der beste?

Nein. Ein niedriger Sollzins mit Agio und 1,6 Prozent Abschlussgebühr kann teurer sein als ein höherer Sollzins ohne beides. Vergleiche den Effektivzins, nicht den Sollzins.

Wie aktuell müssen Vergleichsdaten sein?

Sehr aktuell. Tarife und Zinssätze ändern sich, und Aktionskonditionen gelten oft nur befristet. Was du vor drei Monaten recherchiert hast, prüf vor der Unterschrift noch einmal nach.

Soll ich mehrere Angebote parallel einholen?

Ja, mindestens zwei bis drei. Das kostet dich nichts und ist der einzige Weg zu wissen, ob ein Angebot marktüblich ist. Achte nur darauf, dass alle dieselbe Bausparsumme und dieselbe Sparrate zugrunde legen – sonst vergleichst du Verträge, nicht Tarife.

Reicht ein Online-Vergleichsportal?

Für die Vorauswahl ja, für die Entscheidung nein. Förderfähigkeit, Agio und Zuteilungsprognose bildet kaum ein Portal ab – und das sind genau die Punkte, an denen sich der Unterschied entscheidet.

Lohnt sich eine neutrale Beratung zusätzlich?

Bei einem einfachen Sparvertrag reicht oft der eigene Vergleich. Sobald der Bausparvertrag Teil einer größeren Finanzierung ist – Anschlussfinanzierung, Kombikredit, Modernisierung – wird es schnell komplex genug, dass jemand draufschauen sollte.

Was ist der wichtigste Punkt, wenn ich nur auf einen achten kann?

Der Effektivzins inklusive Abschlussgebühr und Bonusverzicht. Er fasst fast alles zusammen, was der Vertrag dich kostet. Die einzige Zahl, die er nicht abbildet, ist die Zuteilungsdauer – und die musst du deshalb immer separat erfragen.

Redaktion ein-bausparvertrag.de — Dieser Beitrag wurde auf Basis öffentlich zugänglicher, überprüfbarer Quellen erstellt und regelmäßig aktualisiert. Mehr zu unserer Arbeitsweise: Redaktion & Auswahlkriterien.

Hinweis: Dieser Beitrag bietet eine allgemeine Einordnung und ersetzt keine individuelle Finanzberatung oder ein konkretes Vergleichsangebot.

Quellen

Zuletzt aktualisiert am 17.09.2026

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