Tarifvergleich

Fast jede Bausparkasse bietet dir nicht einen Tarif an, sondern fünf oder sechs. Sie unterscheiden sich vor allem in einem: wie schnell du zugeteilt wirst und was das Darlehen danach kostet. Die Kurzfassung – je schneller du ans Darlehen willst, desto höher die Rate oder desto teurer der Zins. Ein Tarif, der beides kann, existiert nicht.

Kurz erklärt:

  • Üblich sind Standard-, Schnell-, Langsam-, Kombi- und Fix-Tarife – die Namen unterscheiden sich je Anbieter, die Logik nicht
  • Schnelle Tarife kosten dich eine höhere Rate, langsame kosten dich Zeit
  • Fix-Tarife sichern dir einen besonders niedrigen Darlehenszins – und verlangen dafür an anderer Stelle etwas zurück
  • Die Bewertungszahl entscheidet mit, wann du tatsächlich drankommst – nicht nur dein Guthaben
  • Wohnungsbauprämie und Arbeitnehmersparzulage hängen an dir, nicht am Tarif

Die Tarifvarianten und was sie dich kosten

Tarifvariante Wofür sie gemacht ist Was sie dich kostet
Standard / Klassisch Der Kompromiss: mittlere Rate, mittlere Zuteilungsdauer, mittlerer Darlehenszins Nichts Besonderes – und deshalb für die meisten die richtige Wahl
Schnelltarif Du brauchst das Darlehen in absehbarer Zeit Höhere monatliche Rate, oft ein höherer Darlehenszins
Langsamtarif Du willst wenig Belastung und hast Zeit Die Zuteilung dauert deutlich länger
Kombitarif Du weißt noch nicht genau, wie es läuft Meist mehr Flexibilität gegen etwas schlechtere Konditionen
Fix- oder Zinstarif Dir geht es vor allem um den niedrigen Darlehenszins Niedrigerer Guthabenzins, oft ein Agio und manchmal ein höheres Mindestsparguthaben

Die letzte Spalte ist die wichtige. In jedem Tarif steckt ein Tausch, und die Bausparkasse nennt ihn im Prospekt selten so deutlich. Ein Fix-Tarif mit auffällig niedrigem Sollzins holt sich das an anderer Stelle zurück – über ein Agio auf das Darlehen, über eine höhere Abschlussgebühr oder über einen Bonuszins, den du verlierst, sobald du das Darlehen abrufst.

Warum der Sollzins allein dir nichts sagt

Ein Haus umgeben von Silhouetten einer Familie, einer Einzelperson und eines Paares – Symbolbild für die Tarifwahl je nach Lebenssituation

Das ist der Punkt, an dem die meisten Tarifvergleiche scheitern. In der Werbung steht der Sollzins des Darlehens, weil er sich gut vergleichen lässt. Was du am Ende zahlst, steht da nicht.

Zwei Beispiele für das, was der Sollzins verschweigt:

  • Das Agio. Manche Tarife schlagen 1 bis 2 Prozent auf das Darlehen auf. Du bekommst 25.000 Euro ausgezahlt, tilgst aber 25.500. Der Sollzins bleibt gleich, der Effektivzins steigt spürbar.
  • Der Bonuszins. Viele Tarife zahlen rückwirkend etwas obendrauf, wenn du am Ende auf das Darlehen verzichtest. Rufst du es ab, ist dieses Geld weg. Das ist ein echter Preis, der in keinem Zinssatz auftaucht.

Deshalb solltest du zwei Effektivzinsen vergleichen: den nach der Preisangabenverordnung, in dem das Agio steckt, und einen, der zusätzlich Abschlussgebühr und Bonusverzicht berücksichtigt. Genau das macht unser Tarifvergleichsrechner – du trägst zwei Tarife ein und siehst beide Zahlen nebeneinander.

Eine Sache, die du ausdrücklich nicht mehr vergleichen musst: Kontoführungs- und Jahresentgelte. Der Bundesgerichtshof hat sie für die Darlehensphase 2017 (XI ZR 308/15) und für die Ansparphase 2022 (XI ZR 551/21) für unwirksam erklärt. Wenn dir jemand einen Tarif mit Jahresgebühr anbietet, ist das ein Grund nachzufragen.

Der Tilgungsbeitrag und seine Einheiten-Falle

Der Tilgungsbeitrag bestimmt deine Rate in der Darlehensphase. Und hier lauert ein Fehler, der beim Vergleich zweier Anbieter regelmäßig passiert: Manche rechnen in Promille der Bausparsumme, andere in Prozent des Darlehens.

5 Promille von 50.000 Euro Bausparsumme sind 250 Euro im Monat. 5 Prozent von 30.000 Euro Darlehen wären 1.500 Euro. Dieselbe Zahl im Prospekt, Faktor zehn Unterschied. Schau also immer nach, welche Bezugsgröße gemeint ist, bevor du zwei Angebote nebeneinanderlegst.

So findest du deinen Tarif – in vier Schritten

1. Wann brauchst du das Geld? Das ist die erste und wichtigste Frage. In drei Jahren? Dann passt kein Bausparvertrag, egal welcher Tarif. In zehn bis fünfzehn Jahren? Dann sind alle Varianten im Rennen.

2. Was kannst du dauerhaft zahlen? Nicht im besten Monat, sondern im teuren. Ein Schnelltarif, dessen Rate du nach vier Jahren reduzieren musst, ist teurer als ein Standardtarif, den du durchhältst – die Abschlussgebühr hast du in beiden Fällen gezahlt.

3. Wie sehr brauchst du den gesicherten Zins? Wenn du eine Anschlussfinanzierung absichern willst, die in zehn Jahren ansteht, ist der Fix-Tarif sein Geld möglicherweise wert. Wenn du eigentlich nur sparen willst, zahlst du für eine Versicherung, die du nie in Anspruch nimmst.

4. Wie wahrscheinlich ändern sich deine Pläne? Sonderzahlungen sind fast überall möglich und kostenlos. Die Sparrate dauerhaft senken zu dürfen, ist dagegen nicht selbstverständlich. Frag danach, bevor du unterschreibst, nicht hinterher.

Wie du dann verschiedene Anbieter gegeneinander stellst, steht im Beitrag Bausparvertrag-Vergleich.

Die Bewertungszahl – warum du trotzdem warten kannst

Ein Tachometer mit Zeiger auf hohem Wert neben einem Haus-Symbol – Symbolbild für die Bewertungszahl bei der Tarifwahl

Das Mindestsparguthaben ist nicht die einzige Bedingung für die Zuteilung. Dazu kommt die Bewertungszahl: eine Kennziffer aus deinem Guthaben, der Zeit, die es schon liegt, und einem tarifspezifischen Faktor. Sie bestimmt die Reihenfolge, in der die Bausparkasse ihre Verträge zuteilt.

Der Grund dafür ist das Kollektiv. Die Bausparkasse zahlt deine Darlehen aus dem Geld, das andere Bausparer einzahlen. Ist gerade wenig Geld in dieser Zuteilungsmasse, verschiebt sich dein Termin – auch wenn du dein Mindestsparguthaben längst erreicht hast.

Zwei praktische Folgen: Schnelltarife sind oft so konstruiert, dass sie bei gleicher Sparleistung eine höhere Bewertungszahl erreichen. Und: Frag in jedem Beratungsgespräch nach der voraussichtlichen Zuteilung in Monaten. Nicht nach dem Mindestsparguthaben – nach der Zahl. Wenn sie niemand nennen will, weißt du auch etwas.

Welcher Tarif zu welcher Situation passt

Du planst in den nächsten Jahren einen Kauf oder eine Anschlussfinanzierung. Dann zählt der früh fixierte Darlehenszins, und ein Fix-Tarif kann passen – vorausgesetzt, du rechnest nach, was Agio und Abschlussgebühr daraus machen. Mehr zur Einordnung unter Bausparvertrag vs. Baufinanzierung.

Du hast noch keine konkreten Pläne. Dann ist ein Standard- oder Langsamtarif meist besser: niedrigere Belastung, mehr Luft, weniger Risiko, dass du den Vertrag nicht durchhältst.

Du willst vor allem sparen und das Darlehen wahrscheinlich nicht abrufen. Dann dreh den Blick um: Der Bonuszins ist dann kein entgangener Vorteil, sondern dein eigentlicher Ertrag. Achte auf seine Höhe und die Bedingungen – ab wann er gilt, ob er rückwirkend gezahlt wird. Rechnen kannst du das im Rechner Kündigen oder behalten.

Kannst du den Tarif später wechseln?

Manchmal. Manche Bausparkassen erlauben einen Wechsel in einen aktuelleren Tarif, andere binden dich für die gesamte Laufzeit an die ursprüngliche Variante. Das steht in den Allgemeinen Bausparbedingungen, nicht im Prospekt.

Und der Wechsel ist selten kostenlos: Je nach Anbieter kann eine erneute oder anteilige Abschlussgebühr anfallen, und die Bewertungszahl startet unter Umständen neu. Frag deshalb vor Vertragsabschluss nach den Wechselmöglichkeiten – das ist eine der Fragen, die kaum jemand stellt und die später am meisten wert ist.

Du hast zwei oder drei Tarife zur Auswahl und weißt nicht, welcher der günstigere ist? Schick sie uns – ein Berater aus unserem Netzwerk rechnet sie gegen und sagt dir, wo im Kleingedruckten der Haken sitzt.

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Häufige Fragen

Ist ein schneller Tarif automatisch teurer?

Nicht automatisch, aber fast immer in irgendeiner Form. Entweder über eine höhere Rate, einen höheren Darlehenszins oder einen niedrigeren Guthabenzins. Schnelligkeit ist beim Bausparen nie umsonst.

Kann ich den Tarif innerhalb meiner Bausparkasse später wechseln?

Bei manchen Anbietern ja, bei anderen nicht. Es steht in deinen Bausparbedingungen. Rechne damit, dass ein Wechsel Kosten auslöst und die Bewertungszahl beeinflusst.

Sind die Tarifnamen bei allen Bausparkassen gleich?

Nein. Jede Bausparkasse erfindet eigene Namen, und derselbe Name kann anderswo etwas anderes bedeuten. Vergleiche deshalb nie die Bezeichnung, sondern die vier Zahlen: Guthabenzins, Sollzins, Mindestsparguthaben und Abschlussgebühr – plus die Frage, ob es ein Agio gibt.

Welcher Tarif eignet sich zur Absicherung einer Anschlussfinanzierung?

Einer mit früh fixiertem, niedrigem Darlehenszins – meist ein Fix-Tarif. Wichtig ist, dass die Zuteilung zeitlich zum Ende deiner Zinsbindung passt. Ein Darlehen, das zwei Jahre zu spät kommt, nützt dir nichts.

Was ist die Bewertungszahl?

Eine Kennziffer aus Guthaben, Ansparzeit und einem tarifabhängigen Faktor. Sie bestimmt, in welcher Reihenfolge die Bausparkasse zuteilt. Deshalb kann die Zuteilung auch dann noch dauern, wenn dein Mindestsparguthaben erreicht ist.

Ändert der Tarif etwas an meiner Förderung?

Nein. Wohnungsbauprämie und Arbeitnehmersparzulage hängen an deinem Einkommen und deinem Arbeitgeber, nicht am Tarif. Was du bekommen kannst, steht unter Förderung.

Redaktion ein-bausparvertrag.de — Dieser Beitrag wurde auf Basis öffentlich zugänglicher, überprüfbarer Quellen erstellt und regelmäßig aktualisiert. Mehr zu unserer Arbeitsweise: Redaktion & Auswahlkriterien.

Hinweis: Tarifbezeichnungen und -ausgestaltungen unterscheiden sich je nach Bausparkasse. Dieser Beitrag bietet eine allgemeine Einordnung und ersetzt kein individuelles Tarifangebot.

Quellen

Zuletzt aktualisiert am 15.09.2026

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